FIRST BUSINESS; SELFLOVE SECOND?

GELD ODER LIEBE?


Photo by Raka Miftah on Pexels.com

Vor genau etwas über 1,5 Jahren hab ich mich an mein eigenes Label gemacht und hab dafür richtig hart gearbeitet. Mein ganzer Tagesablauf war perfekt getaktet. Ich hatte zu dem Zeitpunkt meine Vollzeitstelle im Backoffice Management verloren.
Ab dann wurde mir klar: ICH WERDE MEIN EIGENER BOSS.
Ich weiß was ich will und jetzt setze ich meine volle Aufmerksamkeit auf mein Label. Mein nachhaltiges Label. Ich arbeitete fanatisch alle Ideen aus. Nähte jeden Tag und wenn ich das nicht tat, plante ich neue Designs, shootete mich selbst, erstellte Content für mein Instagram Account, kümmerte mich um neue alte Sachen wie: Bettdecken, Jeans oder andere alte Kleidung. Es lief. Es war bombastisch. Stets meine Vision vor Augen vergingen, Tage, Wochen, Monate. Ich fertigte 2 Kollektionen, binnen einem Jahr.
Ich startete von null, brachte mir das Nähen selbst bei. Heutzutage kann man sich alles selbst beibringen, Youtube sei dank.
Dann kam der Release. Januar 2021. Alles war perfekt vorbereitet, perfekt geplant. Doch kaum hab ich es veröffentlicht, blieb ich stehen.
Ich lernte jemanden kennen. Ich war nicht bereit für was ernstes und habe von Anfang an eine Grenze gesetzt, da ich erst ein Monat Single war.
Ich war frisch getrennt von meinem Ex Freund. Wir führten knapp 2 Jahre eine Fernbeziehung. Er lebte in der Schweiz. Ich in Deutschland. Doch durch Corona konnten wir uns nicht wie gewohnt regelmäßig sehen. Es belastete die Beziehung, da körperliche Nähe einfach wegfiel und wir beide uns nach dieser wirklich sehnten. Dadurch aber hatte ich den vollen Fokus auf mein Label und konnte meine ganze Energie da rein investieren und von dem Schmerz, den die Beziehung in mir auslöste, fliehen.
Nach einiger Zeit war für ihn der Schmerz und die Sehnsucht nicht mehr auszuhalten und so trennte er sich von mir. Ein tiefer Schlag in den Magen. Da wurde mir erneut klar, dass ein „ich warte auf dich, wenn es sein muss für immer“ doch nicht ein für immer ist. Es tat weh, aber nicht so sehr wie sein Verhalten nach der Beziehung. Er folgte innerhalb einem Tag 30 halbnackten Frauen. Lebte, wie ich seinen Insta Storys entnehmen konnte, plötzlich sein GOOD LIFE. Als ich ihm sagte, dass mich das verletzte, sagte er nur: „Nimm dir ein Beispiel an mir, ich gehe als eins voran. Hör auf traurig zu sein, das Leben geht weiter.“
Wie konnte ich diesen Kerl lieben? So rücksichtslos kannte ich ihn nicht. Dieser Mensch war mir fremd. Heute weiß ich, dass er versucht hat seinen Schmerz auf seine Art und Weise zu verarbeiten. Dennoch war ich zu tiefst verletzt.

Es nagte an meinem Ego und ich dachte: „was er kann, kann ich schon lange.“
Handlungen aus verletztem Ego und gekränktem Stolz sind nie gut.
So lernte ich einige Männer kennen und mein Selbstwert fiel immer weiter in den Keller.
Und dann lernte ich jemanden kennen. Jemanden der schon „alles“ im Leben erreicht hatte. Alles worauf ich bis dato hingearbeitet hatte.
Eine Eigentumswohnung (mit 26 Jahren) einem Ferrari in der Garage, einem Haus in Spanien. Er trank zwar jeden Tag, aber ich sah darüber hinweg und machte einfach dasselbe. Obwohl ich Alkohol über alles hasse.
Anfangs arbeitete ich noch für mein Label und wir sahen uns nur einmal am Wochenende. Aber umso mehr Zeit wir verbrachten, machte er mir klar, dass er was ernstes wolle und alles andere nur Zeitverschwendung wäre. Ich dachte mir zuerst: „wow endlich jemand mit wirklich ernsten Absichten. Endlich jemand den ich nicht mitziehen muss, sondern jemand der mich unterstützen kann.“ Er war gut erzogen und hatte gute Manieren. Eigentlich war ich nicht bereit für was Ernstes, aber wollte ich mir so einen „guten Fang“ nicht durch die Lappen gehen lassen. Er war gut zu mir und brachte mir jeden Morgen einen Kaffee und Frühstück ans Bett. Ausnahmslos JEDEN TAG. Hörte mir zu und hatte wahrhaftes Interesse an mir und meiner Story. Er gab mir dieses Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, was ich bisher nicht kannte. Jemanden an den ich mich lehnen konnte, wenn ich den halt verlor.
So etwas kannte ich nicht. Ich wurde in fast allen vorherigen Partnerschaften wirklich schlecht behandelt. Teilweise misshandelt sowohl verbal, als auch körperlich.
Ich war eig nie ein Fan von reichen Schnöseligen Typen, weil ich selbst die Frau sein wollte die, unabhängig von einem Mann, alles erreicht. Aber bei Ihm war es anders. Ich habe erst am Ende von seinen ganzen Besitztümern erfahren. Er war sehr bescheiden, demnach hatte ich ein wahres Interesse an ihm und an seiner Person.
Plötzlich war mein Pain mich selbst zu verwirklichen wie weggeblasen.
Ich wollte es zwar immer noch alles erreichen, aber plötzlich war mein Antrieb weg. Ich nahm mir Dinge vor, aber sobald er Zeit hatte, machte ich mir die Zeit auch frei.

Es war so, als wenn ich endlich alles hatte was ich wollte.
Dennoch wurde ich immer unglücklicher und konnte mir nicht erklären wieso.
Wieso stand ich mir selbst im Weg und vor allem WAS MACHTE MICH SO UNGLÜCKLICH?
Ich hatte plötzlich einen bomben Job, einen liebevollen Mann an meiner Seite, aber wurde jeden verdammten Tag immer trauriger, bis ich wieder in eine Depression verfiel.
Ich bekam Panikattacken, Ausraster und erkannte mich selbst nicht wieder. Er fragte mich was los sei, doch ich hatte keine Antwort. Er konnte es nicht verstehen. Er versicherte mir, ich könne ihm doch alles sagen und wäre bei ihm sicher. Doch ich verstand mich selbst nicht, wie sollte ich mich dann erklären?
Wie soll man jemandem erklären, was Depressionen sind, wenn er selbst davon keine Ahnung hat.
Ich war in meinem Kopf gefangen. Dann kam Tag X. Ich bekam erneut einen Nervenzusammenbruch. Ich wollte alles beenden, gab ihm seinen Schlüssel und verschwand.
Ich flüchtete in mein Auto und fuhr weg. Auf dem nächstliegenden Parkplatz blieb ich stehen. Ich fing an zu schreien. WAS TUE ICH HIER? Wieso bin ich so? Ich fuhr zurück und suchte das Gespräch.
Nach diesem Gespräch nahm er mich in den Arm und versicherte mir, dass alles gut sei und, dass er Verständnis für mich und meine Situation habe.
Am nächsten Tag fuhr ich morgens nach Hause um zu arbeiten.
Alles war gut. Plötzlich bekam ich einen Anruf von ihm: „Wir müssen reden.“ Ich ahnte nicht was dann kam. „Du hast ein zu dünnes Nervenkostüm und wir haben zu unterschiedliche Ansichten vom Leben. Das wars.“

Bitte was? Hab ich was verpasst? Ich verstand nichts mehr. 2 Tage zuvor nannte er mich noch Traumfrau und hatte einen Urlaub für uns geplant. Jetzt das. Erneut sitzen gelassen. Ich fühlte mich wirklich dreckig. Ich fühlte mich wertlos.

Ich bestrafte mich jeden Tag mit Selbsthass, machte mich für mich und meine Gefühle fertig. Wie konnte ich nur so dumm sein und mich jemanden gegenüber so öffnen.
Er hat mein wahres Gesicht gesehen und mich dafür verurteilt. „Ich bin ein Psycho“, dachte ich. „Ich bin krank“. „Ich bin nicht normal“. „Mit mir stimmt was nicht.“

Es tat einfach weh. Keine 2 Wochen später, lernte ich wieder jemanden kennen. Ich dachte mir, mein Leben will mich doch echt Veraschen. Ich bin sowas von nicht ready. Er war voll mein Typ, vom Aussehen, Mindset, Ausstrahlung und er hat die Ausbildung durchlaufen die ich erst begonnen hatte. NLP. Zudem war auch noch Russe und ich dachte mir Blatj, DAS kann doch nicht wahr sein. Wieso jetzt? Ich sagte ihm, dass ich aktuell kein Interesse hab jemanden kennenzulernen, da ich mich selbst erstmal lieben muss.
Er war geschickt die richtigen Worte zu finden, ich mein, er ist NLPler.
Und so hatte er mich. Ich ließ mich auf ein Treffen ein und blieb direkt auf ihm kleben. Er schenkte mir null Aufmerksamkeit, kein Interesse und doch wurde mein Verlangen nach ihm immer größer und größer. Ich drehte nun völlig am Rad. WAS IST NUR LOS MIT MIR? ICH HAB DAS DOCH GARNICHT NÖTIG!

Und so begann ich an mir selbst zu Arbeiten und mir wurden plötzlich so viele Dinge bewusst.
1. Hab ich einen verdammten Vaterkomplex.
2. Ich sehne mich danach Aufmerksamkeit zu erkämpfen, weil ich in meiner Kindheit immer darum kämpfen musste
3. sehne ich mich nach Geborgenheit, welche ich in der Kindheit nie verspürt habe
4. bin ich auf der Suche nach Verständnis, weil ich mir selbst keins geben kann
5. Ist Liebe auf Distanz für mich einfacher, da ich mit wahrer Nähe nichts anfangen kann und wahre Nähe in mir ein Unbehagen auslöst
6. suche ich mir immer Männer, die sehr selbstsüchtig sind und wo ich das Gefühl habe mich Selbstaufzuopfern zu müssen
7. suche ich mir Männer die mich „brauchen“ und welche ich mitziehen kann, erreichen sie das, verschwindet meine Liebe
8. gibt es kein Drama in einer Beziehung, mache ich Drama. Ohne Drama kein Gefühl von Liebe ( weil es mir von klein auf vertraut war)

So und was mache ich mit den ganzen Informationen die ich erkannt habe?
Ich muss Liebe für mich neu definieren. Ich muss nicht, ich will. Dafür muss ich erstmal an dem Bild arbeiten, welches ich von mir selbst habe.
Nach außen wirkte ich ich wahrscheinlich total selbstbewusst. Aber Selbstbewusst, bedeutet sich selbst bewusst. Und das bin ich nicht. Auf jeden Fall schon ein wenig mehr als zuvor. Aber ich bin noch nicht am Ende angelangt. Auch wenn das Arbeit für das ganze Leben sein wird.
Ich weiß es lohnt sich.

Was mir geholfen hat mir meiner selbst ein wenig mehr bewusst zu werden, meiner Fähigkeiten und wahrer Stärke, ist eine Timeline.
Von meiner Geburt bis heute.
Ich schrieb alle traumatischen Erlebnisse meines Lebens auf.
Es war hart, ich konnte teilweise nicht mehr sehen was ich schrieb, weil mir die Tränen nur so über mein Gesicht strömten und die ganze Sicht verschwomm.
Doch als ich das „Meisterwerk“ danach betrachtete, musste ich wahrhaftig lachen. Wie konnte ich bisher so unsicher unterwegs sein?
Mir war bis zu dem Zeitpunkt nie wirklich bewusst, was ich alles gemeistert hatte.
ALLEINE. Wie konnte ich jemals an mir zweifeln? Wie konnte ich jemals an meinen Emotionen zweifeln?
Ein Mensch der SOWAS DURCHLEBT hat und heute hier steht, so wie ich, der ist ein wahrer Motherfucker.
Das was ich fühle ist ANGEBRACHT! Das wie ich denke, ist in Ordnung. Mein Handeln, einfach alles ist meiner Erfahrungen nach angemessen.
Das erste mal in meinem Leben verspürte ich kein Selbstmitleid, sondern wahres Verständnis.

Mir ist jetzt klar, wieso das mit dem Label nicht langfristig klappen konnte.
Ich muss erstmal meine emotionalen Ereignisse aufarbeiten und mit mir selbst im reinen sein, damit ich wirklich was reißen – und es bis zum Ende durchziehen kann. Alles andere würde mich immer wieder zurückwerfen.

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