Das Mädchen mit dem zerbrochenen Herzen

Es war einmal ein Mädchen,

Photo by Marcin Jozwiak on Pexels.com

was in der Gesellschaft kein Mädchen mehr war. Sie war eine Frau, denn sie war schon Mitte 20. Doch innerlich war sie einfach nur ein kleines zerbrochenes Mädchen. Stets auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit.

Sie suchte vergeblich nach den Dingen die ihr in Ihrer Welt verborgen geblieben sind. Diese Dinge kannte sie nur von anderen. Sie sah wie andere Menschen all diese Dinge bekamen und ihre Sehnsucht wurde immer größer und größer. Ihr Herz schmerzte immer mehr und die Leere wurde unerträglich.
Sie versuchte die Leere zu füllen mit materiellen Dingen die ihr eigentlich nichts bedeuteten, doch für einen kurzen Moment, sie diesen Schmerz vergessen lies.
Sie versuchte es mit wildem Sex zu füllen, doch auch das half nicht. Danach fühlte sie sich immer noch schlechter und begann diesen Schmerz mit Alkohol und Drogen zu betäuben.

Drogen. Ja das gab ihr was. Diese wärme, dieses Gefühl von Leichtigkeit, dieses unglaubliche Gefühl von nichts. All ihre Schmerzen waren wie weggeblasen. Sie fühlte sich endlich frei und unabhängig. Unabhängig von anderen Menschen. Erlöst von dem Schmerz. Und so begann ihre Liebesgeschichte. Sie verbrachte Nächte in Clubs, wo die Luft feucht war, die Musik so laut, dass es für andere unerträglich war, dort wo sie einfach fliegen konnte. Frei sein, von allem was sie draußen erdrückte. Hier war alles egal. Hier konnte sie einfach sein. Mit niemandem reden. Einfach tanzen. Einfach leben. Hier füllte der Bass die leere. Die Dunkelheit wurde ihr bester Freund. Denn niemand verurteilte sie hier. Niemand gab ihr Ratschläge. Niemand wollte sie eines besseren belehren.

Wenn sie wollte konnte sie sich den ganzen Kummer mit irgendwelchen Menschen von der Seele reden. Menschen die sie danach nie wieder sehen musste. Hier hatten die Menschen Verständnis. Sogar ein wenig Liebe übrig und vor allem Empathie. Denn alle Wesen hier, flüchteten genauso wie sie. Sie flüchteten alle vor der Realität. Jeder hatte sein Päckchen zu tragen was so unerträglich in dem Moment für sie war, denn sonst wären sie nicht hier.
Es gab Tage da meidete sie jeden Kontakt, und Tage an denen sie dorthin ging nur um zu reden.

Irgendwann war die Realität zu unerträglich, da fing sie an die Drogen auch im Alltag zu konsumieren. Der Schmerz trat immer heftiger auf. Sie bekam das alles so in den Griff, dass niemand etwas merkte.
Für ihr Umfeld, war sie normal. Sie funktionierte. Keiner sah wie schlecht es ihr ging. Wenn sie versuchte sich anderen mittzuteilen, zuckten diese mit den Achseln und sagten sie soll sich nicht so anstellen.

Irgendwann konnte sich sich selbst nicht mehr anlügen, und gestand sich ein:
Ich habe ein Problem. SO kann das nicht mehr weitergehen. DAS kann nicht das Leben sein. Soll DAS das Leben sein?
Sie musste weg. Ganz weit weg. Und so kündigte sie ihren Job und buchte sich ein Ticket. ONEWAY.
„Ich komme nie wieder“, dachte sie sich.
Sie packte ihre Sachen und innerhalb eines Monats verließ sie das Land.
Sie verließ nicht nur das Land, sondern auch den Kontinent.

Teneriffa. Dort sprach man kein deutsch. Spanisch oder Englisch standen ihr zur Auswahl. Von den beiden beherrschte sie keine Sprache. Es war ihr egal. Der Schmerz war größer als die Angst.
Dort angekommen checkte sie in ihr Hostel ein, wo sie jetzt erstmal leben und arbeiten sollte.

Die ersten Wochen waren hart, da sie sich nicht mitteilen konnte. Ihr fehlten die Worte. Sie fühlte sich lost. Sie war unsicherer als je zuvor, sie verließ nicht nur im Außen die Komfortzone, sondern auch im Innern. Sie war auf Entzug. Sie dachte hier wird alles anderes. Jeden Morgen wachte sie auf mit dem schönsten Ausblick ins Paradies. Sie konnte es nicht genießen. Sie verstand nicht weshalb. Sie müsste doch jetzt glücklich sein. Dankbar. Was war los? Eines Tages kam einer aus ihrem Zimmer zu ihr und sagte ihr: “ Ich glaube du trägst einen riesen Schmerz mit dir herum. Ich glaube du hast sehr schlimme Dinge erlebt. Du lächelst jeden Tag, doch ich glaube dahinter verbirgt sich ein riesen Schmerz.“
Sie war total vor den Kopf gestoßen, ihr Englisch war zu schlecht um zu antworten, aber ohnehin hätten ihr die Worte gefehlt. Wie kann es sein, dass Menschen mit denen sie kein Wort gesprochen hatte, sie Verstanden? Wie konnte es sein das Fremde ihr wahres ich sehen konnten? Und WIE KANN ES SEIN DAS DIE MENSCHEN DENEN SIE SICH ERKLÄRT HATTE MIT ABER TAUSENDEN WORTEN SIE NIE VERSTANDEN HABEN? „Wieso bin ich überhaupt jetzt hier? Wieso nicht schon letztes Jahr? Wieso jetzt? Wäre ich doch nur schon letztes Jahr hergekommen, wäre ich nicht so abgerutscht und auf Drogen und hätte mich vielleicht auffangen können und mich besser mitteilen…“, dachte sie sich.

Am nächsten Tag packte sie einen Rucksack mit was zu trinken, 2 Wraps und beschloss den Berg, den sie jeden Morgen gesehen hatte, hinauf zu gehen. Sie wusste zwar nicht wie sie dorthin kommen würde, aber sie vertraute einfach darauf, dass ihr innerer Kompass sie führen wurde.
Und so lief sie im frischen Morgen los, als die Sonne noch nicht ganz aufgestiegen war. Sie lief und lief. Dachte an nichts. Sie bemerkte nicht einmal, dass sie schon den Berg erreicht hatte und schon begonnen hatte diesen zu besteigen.
Bis sie relativ weit oben an eine Absperrung kam. Dort zögerte sie. Es war ein Steinbruch. Ein riesen Brocken war abgebrochen weshalb diese „Straße“ gesperrt war. Kurz bevor sie sich umdrehte um zurückzugehen, kam ein Jogger hinter der Absperrung hindurch.
Sie zögerte nicht lange und auch sie überquerte diese. Ein kurzes mulmiges Gefühl kam in ihr herauf. Sie bekam weiche Knie, doch das hinderte sie nicht weiter zu gehen. Sie ging zum Rand des Felsens und blieb stehen. Sie sah den unendlich weiten Ozean, der sich mit dem Himmel verband. Sie fühlte die Briese gemischt mit den warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut. Sie sah das Wasser wie es durch die Sonnenstrahlen glitzerte. In dem Moment füllten ihre Augen sich mit Tränen und es wurde ihr klar wieso sie hier war. Wieso jetzt. „Gott macht keine Fehler. Er hat mich gerufen. Ich musste durch all das hindurchgehen um zu ihm wieder zu kommen. Er hat mich durch all das gehen lassen, um zu lernen. Um zu verstehen.“

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